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Eike Mewes - Meine Gäste




Eike Mewes – Eins seiner Bücher!

Einer trage des anderen List – (Un)moralische Geschichten
Neues Buch von Eike Mewes, erschien im Oktober zur Frankfurter Buchmesse
Wer kennt sie nicht, die fesselnden Geschichten um Zeus’ Liebesabenteuer oder Herakles’ Heldentaten? Keine Welt erscheint uns farbenprächtiger und lebendiger – keine menschlicher. Hera, Poseidon, Aphrodite, Eros, Prome theus, Bacchus, die schöne Helena, ob Götter oder Menschen – sie alle haben ihre kleinen Fehler und Schwächen. Mal zornig und grausam, mal großzügig und nachsichtig und immer bereit zu einem ohren betäubenden »homerischen Gelächter«. Wissen Sie noch, wie es dazu kam? Frischen Sie alte Bekanntschaften auf und schließen Sie neue!



Doch haben diese Geschichten uns modernen Menschen überhaupt noch etwas zu sagen? Eike Mewes begibt sich auf die Suche und spürt überraschende Parallelen zu anderen, jüngeren Religionen, zu Humanismus, Philosophie und Psychoanalyse auf und zeigt, dass die Mythen der Vorzeit nichts von ihrer inneren Kraft eingebüßt haben und das Wesen der Spezies Mensch immer noch durchdringen. Weltliteratur par excellence!
»Einer trage des anderen List« ist ein überaus unterhaltsamer Streifzug durch die antike Mythologie – Erkenntnisgewinn nicht ausgeschlossen!
Erschienen im “Verlag Neue Literatur”
Jena · Plauen · Quedlinburg
ISBN: 978-3-938157-94-7


Bisher erschienen:

AUF EIN WORT
Mit unserer Sprache lernen wir nicht nur Worte, Bedeutungen und Regeln, sondern wir lernen auch . . .

DER TAG IST NUR DER WEISSE SCHATTEN DER NACHT
Wie im Film! Spannung, schnelle Szenenwechsel und kurzweilige, ausdrucksstarke Dialoge. Der Autor ...

EINER TRAGE DES ANDEREN LIST
(Un)moralische Geschichten


WORT-SPIELE:

Band 1

1906 Teekesselchen
Ein nachdenkliches Kinderbuch auch für Erwachsene
mit Bildern von Claudia Padur

Band 2

Wortspiele
Ein lustiges Kinderbuch auch für Erwachsene
mit Bildern von Sabine von der Bank

Band 3
Redewendungen

Ein hintersinniges Kinderbuch auch für Erwachsene
mit Bildern von Sabine von der Bank


Meine Bücher erscheinen im Verlag Neue Literatur - Jena-Plauen-Quedlinburg.
Sie können in jeder Buchhandel oder direkt beim Verlag bestellt werden.

Verlag Neue Literatur - Jena-Plauen-Quedlinburg,
Saalbahnhofstr. 25 a
07743 JENA
Tel.: 03641-369060
Fax: 03641-369062
E-Mail:
info@vnl.de
Internet:
www.vnl.de



Band 3
REDEWENDUNGEN
Ein hintersinniges Kinderbuch auch für Erwachsene
mit Bildern von Sabine von der Bank



Was passiert, wenn man Redewendungen wie "Der Himmel hängt voller Geigen" oder "Haare auf den Zähnen haben" wortwörtlich nimmt und gleichzeitig versucht, sie sich bildlich vorzustellen? Es entstehen erheiternde, bisweilen skurrile Bilder, die mit der Bedeutung des Ausdrucks an sich nichts gemein haben. Denn ihre ursprüngliche Herkunft ist uns oft gar nicht mehr geläufig.
Nach Band 1 und 2 erscheint mit "Redewendungen" der dritte Band der WORT-SPIELE-Reihe, die sich ganz dem Thema Sprache und deren übertragener Bedeutung widmet. Ein Buch voller Überraschungen und Erkenntnisse, das nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene geeignet ist.
Begebt euch auf eine lustige Entdeckungsreise und ergründet die verborgenen, hintersinnigen Bedeutungen. Die Illustrationen können euch beim Erraten gewissermaßen "unter die Arme griefen".
Viel Spaß beim Lesen, Raten und Zeichnen.



AM ANFANG WAR MEIN WORT

MEIN KOPF, DAS BUCH UND ICH
Anthologie
Beitrag: Am Anfang war mein Wort

"Das ist so herrlich dämlich, das übernehmen wir." Diesen Satz habe ich spontan dahin gesagt, als ein Schauspieler bei der Probe einen witzigen Einfall hatte. Nach der Probe ging mir der Satz wieder durch den Kopf, und ich musste lachen über die herrliche Dämlichkeit und die Fähigkeit der deutschen Sprache, scheinbar sich widersprechenden Wörtern einen Sinn zu geben, ohne den Widerspruch zu empfinden. Herrlich stammt von Herr ab und dämlich kommt von Dame, niemand könnte folglich so einen unsinnigen Satz sagen wie "Das ist so männlich weiblich, dass ...". Doch es gibt sogar den Begriff "Mannweib", und man kann sich durchaus etwas darunter vorstellen. Diese eigentümlichen Besonderheiten sind es, die mich an der deutschen Sprache fasziniert haben und heute immer noch faszinieren.
Als Theaterregisseur hatte ich mein Leben lang "vorzüglich" mit Sprache zu tun, mit hoher Dichtkunst genau so wie mit Alltagssprache. Man hat nur das geschriebene Wort zur Verfügung, um aus einer Bühnenfigur einen begreifbaren Menschen zu formen. Man muss in die Worte hineinhorchen, um sich vorstellenzu können, wie der Mensch aussieht, der diese Worte spricht; wie er sie spricht, mit welchem Ausdruck, wie er handelt, wie er sich verhält. Wie inszeniere ich ihn, damit die Figur als Mensch verständlich wird, ansehnlich?
Vielleicht haben Sie es schon bemerkt, ich verwende gerne doppeldeutige Wörter. "Ansehnlich" zum Beispiel: Der entstandene Mensch soll anschaubar sein und Ansehen genießen. Oder "vorzüglich", Schiller meint damit vorzugsweise. Weil es zu sehr nach Eigenlob klingt, schreibt man lieber "vorrangig". Ebenso verhält es sich mit "vorstellen". Eine Vorstellung ist Fantasie, Präsentation und Aufführung. Und was ist "verständlich"? Der Zuschauer soll die Figur inhaltlich und akustisch verstehen, sinnlich begreifen und menschlich Verständnis für sie entwickeln. Nur durch ldentifikation mit der Figur, durch Wiedererkennung entsteht lebendige Wirklichkeit.
Wenn man schreibt, verhält sich der Vorgang umgekehrt zur Tätigkeit des Regisseurs. Man sieht einen Menschen im Geiste vor sich und überlegt, welche Worte lege ich ihm in den Mund, damit der Leser über die Wörter den gedachten Menschen erkennen kann. Der Schriftsteller hat erst die Figur im Kopf ohne Worte, diese muss er bei der Beschreibung der Figur dann finden. Auch wenn er ein Vorbild kopiert, muss er die Figur sprachlich neu erschaffen. So oder so, man ist gezwungen, sorgfältig, präzise und analytisch mit Sprache umzugehen. In solchen Momenten kann es durchaus zu Schreibblockaden kommen, denn man ringt tatsächlich um das richtige, das treffende Wort und es fällt einem im entscheidenden Moment partout nicht ein.
Ich habe diese Methode zu schreiben versuchsweise mal auf die Spitze getrieben, man kann auch sagen, ich habe mich als Dramatiker versucht. Für mein Buch Der Tag ist nur der weiße Schatten der Nacht sind drei Erzählungen entstanden, die hauptsächlich vom Dialog leben. Ich habe die Beschreibung der Handlung, Orts- und Zeitangaben und die Charakterisierung der Personen auf das sparsamste, auf das zum Verständnis notwendigste beschränkt, um den Leser dazu zu bringen, sich die handelnden Personen nur über das gesprochene Wort vorzustellen und den Ablauf sozusagen filmisch in seiner Fantasie vorbeiziehen zu lassen. Da es sich nicht um fertige Drehbücher rnit Kameraeinstellungen und filmtechnischen Angaben handelt, die Geschehnisse aber wie ein fortlaufender Film erzählt werden, habe ich sie folgerichtig Filmgeschichten genannt. Die mittlere Erzählung Tod auf Raten habe ich einmal für die Bühne leicht umgeschrieben und mit meiner Theatergruppe inszeniert. Das hat hervorragend funktioniert, plötzlich war ich Autor, Regisseur und Dramaturg in einer Person, eine wunderbare Erfahrung. Und selbst Leser, die die Geschichte kannten und nun Zuschauer waren, konnten sich der Spannung nicht entziehen und sind begeistert mitgegangen.
Beim Theater kommt hinzu, dass auch ältere Dramen und Stücke aus einer anderen Zeit und anderen Kultur gespielt werden sollen. Die Sprache ist fremd, benutzt Worte, die veraltet sind, oder Übersetzungen geben manche Begriffe nur unzureichend wieder. Neben dem Sprachgefühl benötigt man sprachwissenschaftliche Kenntnisse, etymologisches Wissen. Auch hierzu ein Beispiel von einer Theaterprobe: ln Amsterdam geschah es, dass sich ein holländischer Schauspieler bei der Einstudierung einer körperlichen Auseinandersetzung schmerzhaft verletzte. Er unterbrach die Szene mit dem Satz: "Das ist sehr peinlich". Ich stutzte für einen Moment, ging dann zu ihm und tröstete ihn mit den Worten, das müsse ihm doch nicht peinlich sein, das könne jedem passieren. Er Verstand nicht und meinte: "Es tut sehr weh." Nun kapierte ich, er benutzte das alte Wort Pein für Schmerz, ohne zu wissen, dass der adjektivische Gebrauch des Wortes im Deutschen einen völlig anderen Sinn bekommen hat. Trotz "Pein" haben wir über dieses Missverständnis gelacht, auch weil ich ihm erklärte, ich würde ihn fortan nicht mehr peinigen.
Da fallt mir wieder das herrlich-dämliche Wortspiel ein. Ohne etymologisches Wissen könnte man meinen, dass die Herren herrliche Geschöpfe sind, während die Damen ziemlich dämlich daherkommen. Diese Wendung gibt allenfalls die Pointe für einen Witz, korrekterweise muss man eingestehen, dass die Adjektive durch herrschaftlich und damenhaft ersetzt werden müssen. Bei klassischen Stücken kann man die Sprachentwicklung sehr gut verfolgen. Ich war häufiger gezwungen, jungen Schauspielern Worte von Goethe oder Schiller zu erläutern, weil sie diese nicht mehr verstanden. Es ist nicht verwunderlich, dass Sprachwissenschaftler an einem Goethe-Wörterbuch arbeiten. Wenn wir uns die alten Texte erschließen und erhalten wollen, sind wir auf diese Wörterbücher angewiesen.
Mich hat die Theatererfahrung angeregt, ebenfalls ein Wörterbuch zu verfassen. Ich hatte Lust mit Sprache zu spielen. Ich habe eine Vorliebe für Sprachwitz und eine Freude an der Vielfalt sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten entwickelt. lm Laufe der Zeit ist ein Zettelkasten entstanden, in dem ich die besten Einfälle gesammelt habe. Diese Notizen haben schließlich zu meinem ersten Buch Auf eín Wort geführt, das über Wörter handelt, Wortklaubereien mit ausgesuchten Begriffen, kleine Geschichten über die unterschiedliche Verwendung des gleichen Wortes und die Wandlung in der Bedeutung im Laufe der Zeit. Um ein kleines Beispiel zu geben: Das Wort "merkwürdig" bedeutete ursprünglich bemerkenswert, ein Sachverhalt ist würdig bemerkt zu werden, er ist es wert, dass man sich ihn merkt. Heute gebraucht man das Wort eher im Sinne von seltsam. Meine Wortsammlungen ergaben drei weitere Bücher, die ich als dreibândige Reihe unter der Überschrift Wort-Spiele zusammengefasst habe. Im ersten Band finden Sie Wörter mit doppelter oder mehrfacher Bedeutung, die als Ratespiel aufgeführt sind. 1906 sogenannte "Teekesselchen", Homonyme, sind zusammengekommen, inzwischen ist die Sammlung auf 1950 Begriffe angewachsen. Der zweite Band widmet sich dem Doppelsinn von Wörtern, der scherzhaften hintersinnigen Bedeutung eines Begriffes. Der Witz liegt im gedankenlosen Sprachgebrauch wie bei der herrlichen Dämlichkeit und erschließt sich erst, wenn man das Wort wortwörtlich nimmt. Dann ist beispielsweise ein Bankhaus ein Haus aus lauter Banken und ein Flaschenzug ein Zug aus lauter Flaschen und so weiter. Die Bücher sind als lustige Bilderrätsel konzipiert, besonders für Kinder sehr geeignet, die ihren Wortschatz erweitern können und Spaß am Wortwitz haben. Sie sind deshalb farbig illustriert. Zeichnen Sie Ihrem Kind mal ein wortgenaues Gänse-Blümchen und einen Feder-Ball und lassen Sie es das Bild raten. Sie werden ihre Freude beim Lachen des Kindes haben. Ähnlich der dritte Band, nur sind diesmal Redewendungen statt einzelner Wörter zusammen getragen. Stellen Sie sich einfach bildhaft vor, wie das aussieht, wenn Sie den Ast absägen, auf dem Sie sitzen. Oder malen Sie, wie Pilze aus dem Boden schießen, ein Mensch Wurzeln schlägt oder ein Brett vor dem Kopf hat.
Beim Umgang mit klassischen Stücken ist meist eine Kenntnis der altgriechisch-römischen Mythologie erforderlich. Die Dichter gaben sich einer Renaissance der Antike hin. Sie suchten das humanistische Ideal und brachten die mythologische Götterwelt auf die Bühne, sie übertrugen Form und Inhalt der antiken Dramen in ihre Gegenwart so geschickt, dass sich die alte Welt und die Moral ihrer Zeit problemlos ergänzten. Weil in den Gestalten der antiken Dramen alles denkbare Verhalten von Menschen allgemeingültig vorgegeben ist, überrascht es nicht, dass die Psychoanalyse ihre Erkenntnisse gerade aus diesen Vorbildern gewann.
Ich habe mein Studium danach ausgerichtet, dass ich besser für die Theaterpraxis gerüstet bin, und beschäftigte mich mit Theaterwissenschaft im Sinne von Kulturgeschichte, mit der Weltliteratur im Vergleich miteinander und mit Philosophie. In der vergleichenden Literaturwissenschaft (Komparatistik) werden so interessante Themen wie Motivgeschichte behandelt, oder auch die Veränderungen, die das Motiv in unterschiedlichen Kulturkreisen erfährt. Auf diese Weise dringt man tiefer in die unterschiedlichen Intentionen ein, in das Typische einer Kultur und das Wesen einer Epoche. So ist es leichter, zum Beispiel Shakespeare aus seiner Entstehungszeit heraus zu lesen, oder Schillers Mut und Brisanz bei der Darbietung des Freiheitsgedankens einzuordnen. Denn wie anders will man begreifen, dass "Die Räuber" Schiller zur Flucht aus seiner Heimat nötigten und "WilhelmTell" weder während der Nazizeit noch in der DDR jemals aufgeführt werden durfte.
Ich habe es als meine Aufgabe als Regisseur aufgefasst, diese Zeitkritik zu entdecken und Vergleiche zu heutigen Zeiterscheinungen ausfindig zu machen, um auch diese kritisch zu begleiten. Es geht um stückgerechte Aktualisierung, nicht um Verfalschung. Das Theater darf kein Museum sein, sondern ist eine "moralische Anstalt" (Schiller). Diesem Grundsatz fühlte ich mich auch als Autor verpflichtet, als ich die Idee zu meinem dritten Buch hatte. ln meinen (Un)moralischen Geschichten
Einer trage des anderen List habe ich meine Gedanken zur Moral, zu Religion und Ideologie und ihrer Beschneidung von Recht und Freiheit, zum Gehorsam und zum freien Willen des Menschen, zu Glauben und Wissen ausgebreitet und mich eingehend mit der hellenistischen Götterwelt auseinandergesetzt. Während uns das Christentum weismachen möchte, dass Gott den Menschen erschaflfen hat, werden die Götter auf dem Olymp so menschlich vorgestellt, dass man zwangsläufig zu der Erkenntnis gelangt, dass die Götter und auch der allmächtige Gott der Christen nur eine Erfindung des Menschen sein können, so menschenähnlich sind die Götter, so gottähnlich ist der Mensch. Gleichwohl habe ich viele epigonale Momente in den biblischen Texten aufgedeckt, denn in der humanistischen Philosophie von Platon und Aristoteles sind fast alle Glaubensgrundsätze, wie die zehn Gebote, bereits vorformuliert.
lm Humanismus ist der Mensch das Maß aller Dinge und der einfache Lehrsatz lautet: Der Mensch muss dem Menschen ein Mensch sein. Und zwar der Mensch so wie er ist, nicht wie er sein soll oder sein könnte oder ein Gott ihn geschaffen hat. Autoren, Theaterleute, Künstler jeder Couleur versuchen, den Menschen so menschlich genau wie sie können darzustellen, kein höheres Wesen aus ihm zu machen, die eigenen alltäglichen Erfahrungen einzubringen, der Wahrhaftigkeit so nahe wie möglich zu kommen. Die Wiedergabe erlebter Realität hat mich dazu gebracht, Theater zu machen und Bücher zu schreiben. Ich würde auch Bilder malen, wenn ich es könnte, oder Musik komponieren, wenn ich Talent dazu hätte. Meine Idee vom menschlichen Leben kann man lesen. Die Symbiose von Theaterregisseur und Autor ist aufgegangen. Ich bin dabei zum Resultat gekommen: Der Mensch weiß mehr, als er glauben darf. Der Künstler ist aufgefordert, exakt das auszudrücken, jeder auf seine Art, ich mit Worten.

Geboren 1940 in Berlin

Studium der Philosophie, Komparatistik (Vergleichende Literaturwissenschaft) und Theaterwissenschaft
Praktische Theaterlaufbahn: freischaffender Theaterregisseur im gesamten deutschsprachigen Raum
Wissenschaftliche Laufbahn: Lehrauftrag am Theaterwissenschaftlichen Institut der Freien Universität Berlin (10 Jahre), Dozent an verschiedenen Volkshochschulen, Dramaturgische Arbeiten
Leiter studentischer und anderer Amateurtheater
Veranstalter verschiedener „Literarischer Salons“, Lesungen und Vorträge
Schreiben von eigenen Theaterdialogen und sprachwissenschaftlicher Studien, Drehbüchern
Seit 2001 kontinuierliche Schriftstellerei

VORGESTELLT: VNL-Autor »Eike Mewes«


Was ist Eike Mewes für ein Mensch? Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Ein zurückhaltender, eher scheuer Mensch, jemand, der mit Ideen, Kenntnis (Kunst kommt von kennen), Humor und Einfühlungsvermögen zu überzeugen versucht statt mit öffentlichen Auftritten und arrogantem Führungsanspruch. Leider ist er durch den Umstand, als Künstler der Kritik wehrlos ausgeliefert zu sein, und aufgrund zahlreicher menschlicher Enttäuschungen immer misstrauischer und stiller geworden.

Sie haben zu Ihrem Abschluss in Philosophie und Komparatistik auch ein Studium der Theaterwissenschaften erfolgreich absolviert und anschließend mehrere Jahre als freischaffender Theaterregisseur gearbeitet. Wann haben Sie Ihre Passion für die darstellende Kunst entdeckt?
Bereits während der Schulzeit durch Mitwirkung in der Schultheatergruppe und frühzeitige Theaterbesuche.

In welcher Form fließen die Erfahrungen aus den drei genannten Fachbereichen in Ihre Buchprojekte ein?
Durch den unterschiedlichen Umgang mit Sprache: Einerseits die Logik und Präzision der wissenschaftlichen Sprache (Philosophie), andererseits der bildhafte, fantasievolle Wortschatz in der Poesie, zum dritten die komprimierte Dialogform im Drama. Alle drei Ausdrucksmöglichkeiten vermittelten Weite und Vielfalt und förderten die Lust an eigenen Sprachschöpfungen.

Wann kam bei Ihnen der Wunsch auf, sich literarisch zu verwirklichen?
Ebenfalls früh, ich schrieb neben den Schulaufsätzen immer gerne Geschichten. Während der Theaterarbeit blieb kaum Zeit zum Schreiben, sodass ich das Erzählen aufschieben musste. Von der entstandenen Ideensammlung zeugt mein umfangreicher Zettelkasten.

Gibt es Ereignisse oder Personen, die Sie in Ihrem Leben besonders beeindruckt und zum Schreiben animiert haben?
Direkt nicht, allenfalls Künstlerbiografien oder -romane.

In Ihrem Werk »Der Tag ist nur der weiße Schatten der Nacht« verarbeiten Sie Techniken des »filmischen Schreibens« und vermitteln dem Leser dadurch ein in Szenen unterteiltes, skizzenhaftes Bild des Erzählten. Mit diesem unverkennbar an Regieanweisungen anknüpfenden Stil fordern Sie den Rezipienten zum Gebrauch der eigenen Fantasie auf. Was gab Ihnen Anlass zur Wahl dieser Form des Schreibens?
Hier ist natürlich die Theaterarbeit unmittelbar eingeflossen. Bühnengestalten zu inszenieren bedeutet, Charakter und Handlungsweise einer Figur aus dem gesprochenen Wort zu erfassen. Mit den Filmgeschichten habe ich eine Umkehrung vorgenommen: ich fordere den Leser auf, Regisseur der Handlung zu sein, die Figuren ausschließlich durch die Dialoge zum Leben zu erwecken, damit sein eigener Film abläuft.

Ihr Titel »Einer trage des anderen List« beschäftigt sich mit der antiken Mythologie und bettet diese in den Kontext sowohl philosophischer als auch psychoanalytischer Fragestellungen ein. Wann hat sich Ihre große Leidenschaft für die Götter und Helden der mythischen Vorzeit manifestiert?
Während meines Studiums kam es zur Beschäftigung mit Platon und Aristoteles und damit mit dem philosophischen Humanismus, der für mich zur Lebensmaxime wurde, weil ich mit den religiösen Angeboten nichts anfangen konnte. Wir wissen mehr als wir glauben dürfen, der biblische Gott ist mir zu diffus und fremd. Die hellenistischen Götter verhalten sich menschlich, mit ihnen kann man alle psychoanalytischen Fragen beantworten.

Neben Ihrer Liebe zur Literatur und dem Schauspiel haben Sie auch eine hohe Affinität zur Sprachwissenschaft entwickelt. Ist dies allein dem Studium zu verdanken?
Vor allem dem lebenslangen Umgang mit Sprache (siehe Antwort 3).

»Auf ein Wort«, »1906 Teekesselchen« und »Wortspiele«: Ihre Reihe der »Sprachabenteuer« beschäftigt sich mit der Etymologie von Wörtern, ihrem Gebrauch und ihrem veränderten Sinn. Insbesondere die beiden letztgenannten Bände laden zum spielerischen Umgang mit Sprache ein und sind wunderbar farbig illustriert. Welche Motivation steckt hinter der Idee zu dieser Buchreihe?
Die Sorge um die Verarmung unserer schönen Sprache. Ich will den Wortschatz erhalten.

Welche Zielgruppe hatten Sie beim Konzipieren im Blick?
Eindeutig den heutigen Leser, vor allem den jungen, um ihm zu zeigen, dass es neben den Kürzeln der technischen Medien eine Fülle von Ausdrucksmöglichkeiten gibt, und dass die Anwendung von Sprache Freude machen und die Fantasie anregen kann.

Apropos Teekesselchen: Haben Sie mittlerweile über die 1906 hinaus weitere gefunden?
Ja, ich bin inzwischen bei 1955 angekommen. Sie können gerne die Sammlung mit der nächsten Auflage ergänzen.

Die bekannte Schreibblockade. Nur ein Mythos? Oder haben Sie diese beim Schreiben selbst schon erlebt? Wenn ja, was haben Sie dagegen unternommen?
Durchaus, wenn auch nicht so extrem. Einfach Pause machen und darauf vertrauen, dass die Unlust vorüber geht.

Was fällt Ihnen beim Schreiben leichter, anzufangen oder aufzuhören? Brauchen Sie lange, bis Sie an eine Buchidee glauben oder sind Sie sofort Feuer und Flamme?
Bei mir entsteht ein Buch zu 90 % im Kopf, bevor ich anfange zu schreiben. Dann allerdings geht mir die Niederschrift nicht schnell genug, es fließt sozusagen heraus. Deshalb brauche ich lange in der Entwicklung, auch wenn mich eine Idee sofort begeistert hat.

Wie schreiben Sie? Pflegen Sie bestimmte Rituale? Gibt es besondere Orte, die Ihre Kreativität fördern?
Weder noch. Ich gehe unkontrolliert systematisch vor und habe eine innere Ordnung meiner Gedanken. Wenn ich schreibe, ist um mich absolute Stille und Einsamkeit.

Haben Sie ein literarisches Vorbild?
Heinrich Heine.

Vertrauen Sie auf Buchrezensionen oder Bestsellerlisten?
Nein.

Welches Buch würden Sie niemals weggeben?
Zu viele, um sie aufzählen zu können.

Ihr Lebensmotto?
Die Quintessenz des Humanismus: Der Mensch muss dem Menschen ein Mensch sein.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Kreativität, so lange wie möglich.



Herr Mewes, haben Sie herzlichen Dank für das Interview.

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